Barrierefrei istkeine Zusatzleistung.
Seit Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Wen es betrifft, was es fordert und welche Punkte im Alltag den größten Unterschied machen.
Seit Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Wen es betrifft, was es fordert und welche Punkte im Alltag den größten Unterschied machen.
8 Minuten Lesezeit Mai 2026 Von Gregor Siewert
Barrierefreiheit
aura2wei Wissen
Seit dem 28. Juni 2025 gilt das BFSG für Produkte und Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, die sich an Verbraucher richten.
Praktisch heißt das: Wer online verkauft, bucht oder Verträge abschließt, ist betroffen. Eine reine Informationsseite eines B2B-Dienstleisters fällt in der Regel nicht darunter.
Wichtige Einschränkungen, die oft übersehen werden:
Ob eine konkrete Website unter das BFSG fällt, ist eine Rechtsfrage. Dieser Text ordnet ein, ersetzt aber keine Prüfung im Einzelfall.
Die WCAG hat über achtzig Erfolgskriterien. Sechs davon entscheiden in der Praxis, ob eine Seite benutzbar ist:
Fließtext braucht 4,5 zu 1 gegen den Hintergrund, große Schrift ab 24 Pixel 3 zu 1. Der häufigste Fehler ist hellgrauer Text auf weißem Grund, weil es im Entwurf leicht aussah.
Alles, was mit der Maus geht, muss mit der Tastatur gehen. Der Test dauert eine Minute: Tabulator drücken und schauen, ob man durch die Seite kommt und immer sieht, wo man ist.
Der Rahmen um das gerade aktive Element darf nicht entfernt werden. Ein outline: none ohne Ersatz ist der häufigste Verstoß im deutschen Netz.
Neu in WCAG 2.2: Bedienelemente brauchen mindestens 24 mal 24 Pixel. Für Touch empfehlen wir 44 Pixel, weil 24 auf einem Handy in der Praxis zu klein bleibt.
Jedes inhaltstragende Bild braucht eine Beschreibung. Dekorative Bilder bekommen ein leeres alt, damit Screenreader sie überspringen.
Überschriften in der richtigen Reihenfolge, Listen als Listen, Formularfelder mit verknüpftem Label. Das kostet nichts und wirkt sofort.
Wer die Systemeinstellung für reduzierte Bewegung gesetzt hat, muss eine Seite ohne Animation bekommen. Nicht langsamer, sondern ohne.
Das betrifft mehr Menschen als vermutet: Bewegungsempfindlichkeit, Migräne, Konzentrationsstörungen. Technisch ist es eine Medienabfrage und in wenigen Zeilen erledigt.
Dazu gehört: Automatisch startende Karussells brauchen eine Pausetaste. Alles, was länger als fünf Sekunden blinkt oder scrollt, muss anhaltbar sein.
Vier Prüfungen, die jeder in zehn Minuten durchführen kann:
Automatische Prüfwerkzeuge finden etwa ein Drittel der Probleme. Sie sind ein guter Anfang und kein Beweis für Konformität.
Allen, die unter schlechten Bedingungen lesen. Und das sind fast alle, fast immer.
Sonnenlicht auf dem Display, eine Hand am Kinderwagen, schlechter Empfang im Zug, müde Augen um elf Uhr abends, ein Vorstand mit Lesebrille. Gute Kontraste, große Bedienelemente und klare Struktur helfen in jeder dieser Situationen.
Dazu kommt ein technischer Nebeneffekt: Semantisch saubere Seiten sind für Suchmaschinen und Antwortsysteme leichter zu verstehen. Barrierefreiheit und Auffindbarkeit ziehen in dieselbe Richtung.
Barrierefreiheit ist selten eine Frage des Aufwands. Sie ist eine Frage davon, ob man sie am Anfang mitdenkt oder am Ende nachrüstet.
Seit Juni 2025 gilt das BFSG für Produkte und Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr an Verbraucher. Reine Informationsseiten und Kleinstunternehmen mit unter zehn Beschäftigten sind bei Dienstleistungen meist ausgenommen. Im Einzelfall ist das eine Rechtsfrage.
Ein entfernter Fokusrahmen, meist durch outline: none ohne Ersatz. Wer nur mit der Tastatur bedient, sieht dann nicht mehr, wo er ist. Zweithäufigster Fehler ist zu geringer Textkontrast.
Fließtext mindestens 4,5 zu 1 gegen den Hintergrund, große Schrift ab etwa 24 Pixel mindestens 3 zu 1. Wichtig: Hover- und aktive Zustände dürfen den Kontrast nicht verschlechtern.
Nein. Automatische Tests finden etwa ein Drittel der Probleme, vor allem technische. Tastaturbedienung, sinnvolle Alternativtexte und verständliche Sprache muss ein Mensch prüfen.
Wenn sie von Anfang an mitgedacht wird, fast nichts: Kontraste, Fokuszustände, Zielgrößen und Semantik sind Entscheidungen, keine Zusatzarbeit. Teuer wird nur das Nachrüsten einer fertigen Seite.